Freitag, 16. August 2013

Schmerz hilft, Hilfe schmerzt.

Diese Aussage von Michaela Huber (zumindest haben wir sie von ihr öfter gelesen und gehört) geht mir zu Zeit viel durchs Hirn. Ja, klar habe das Verstanden, dachte ich, aber irgendwie versteh ich es grad noch mehr. Auf verschiedenen Ebenen und zwischendurch sogar auf der Gefühlsebene.
Zur zeit ist echt viel. Auch wenn das Vaterthema diese Woche gefüllt hat, so gibt es eben auch die anderen Themen nach wie vor. Leider ist es ja nicht so im Leben, das man ein Thema nach dem anderen in Ruhe abarbeiten kann. aber schön wär's.

Seid längerem gibt es auch ein Thema, das ich hier sehr ausspare. Ich mach das, weil ich immer denke, dass ich es persönlich erst ansprechen will und nicht will, das sie es erst hier im Blog liest. leider habe ich es bisher nicht geschafft das anzusprechen, weil mein Anspruch da auch ist, dass ich es klar für mich haben muss. Ist es aber nicht immer. Nur macht es das nicht leichter, dieses warten. Und der Drang zu schreiben ist groß. Ich muss es ansprechen, auch wenn es mir angst macht. Aber hier und jetzt geht es leider noch nicht, es erscheint mir nicht richtig.

Das Mai und Urs sich soviel Zeit für uns nehmen, auch ungeplant kommen, dazu Mails schreiben auf unsere Fragen…. dabei immer noch nicht genervt und ungeduldig sind – ist grad schwerer auszuhalten. Wir waren noch nie die, die Hilfe außerhalb des zugelassenen Rahmen, forderten. Es ist die Therapiestunde in der Woche, die 6 Stunden Betreuung in der Woche. Wir wollen nicht nerven und wissen meist nicht was Notfälle sind. Also haben wir uns über die Jahre angewöhnt zu wissen, das eine vermeintlich nicht aushaltbare Situation ja eh wieder vorbei geht und wenn nicht dann nicht. Es hat den großen Vorteil, das Menschen selten von uns genervt sind (soweit wir das mitkriegen) und wir nicht ausnutzen und wir werden eher nicht enttäuscht. Der Nachteil liegt wahrscheinlich auf der Hand. Es macht oft alleine.  Wenn wir manchmal bei anderen lesen, wie sie mit ihren Helferinnen in Kontakt sind, dann ist da schon sowas wie Sehnsucht. Wir denken dann sowas wie, das es der Person halt viel schlechter geht und darum auch das bekommt, oder wir haben das nicht verdient. Manchmal auch, dass wir es nicht ertragen könnten. Naja und man wird ja auch gelobt, das wir “alles” so gut hinkriegen oder ähnlich. und da ist ja auch was wahres dran, wenn man es daran misst, dass wir noch Leben. dazu kommt, dass wir Angst vor Abhängigkeit haben und das jemand nicht ehrlich Stopp sagt – sowieso, dass das schlimme Ende dann unweigerlich kommt. Vieles was ahnen lässt, warum Hilfe auch schmerzt. Nur, wenn man Hilfe erlebt, die hilft, dann breitet sich das als Wissen aus und will nicht wieder weg gehen. Und es ist schwerer Erwartungen/Wünsche nicht zu haben. Es passiert ein Brauchen. Das ist schwer auszuhalten. Klar, brauchen gab es zu jeder Zeit, aber es ist irgendwie bewusster, Oder noch besser (eigentlich schlimmer) – sowas wie wollen entsteht. Und da kommen wir in den ganz blöden Bereich. Viel zu gefährlich! Ja, Hilfe schmerzt.

Das kann Triggern vielleicht.
Und Schmerz hilft? Ja. Aber hier will ich jetzt nur an den sich selber zugefügten körperlichen Schmerz denken. Selbstverletzung. Da kann man ja viel im Netz zu lesen. Verschiedenste Formen. Gesellschaftlich akzeptierte und eben nicht akzeptierte. Welche über die man reden kann, und welche über die man nicht reden kann. Akzeptierte sind bei uns z.B. Rauchen und essen, bzw, nicht essen, Nägelkauen, Kratzen (Neurodermitis) diese Varianten sind nicht immer SVV. sie sind täglich in unserem Leben. Eine Form über die man nicht redet gibt es bei uns auch, leider zu oft. Und dann die wo man drüber reden kann (mehr oder weniger) aber nicht akzeptiert sind. Das ist für mich sowas wie sich schneiden, verbrennen und schlagen.
Wir hatten eine lange Zeit wo sowas selten nur vorkam. Wobei selten und oft ja sehr individuell und Auslegungssache ist. Aber es war wohl wirklich selten. Vor ein paar Jahren war es mehr das Schneiden – da ging es für uns um “sich fühlen” – sehen das man lebt. Das kommt nur noch sehr selten vor (etwa einmal jährlich?) Mit der Diagnosestellung und dem Wahrnehmen lernen der Inneren begann hier das Schlagen. Je Blauer der Arm aussah desto besser. Hier ging/geht es um Druck/Stress. Auch um Bestrafung, aber ohne das sowas wie Wut zu spüren ist. Eher von tief Innen vielleicht. Von Blauen Flecken hat man länger was und sie tun weh bei Berührung (je nach dem wer von den Inneren nah ist) – das Schlagen hat hier manchmal sogar was künstlerisches. Es ist ein Ausdruck – fast mit dem Bedürfnis dafür gelobt zu werden. Ordentliche Arbeit – das was dem Körper zusteht. Beruhigend. Anhaltend. Das Verbrennen ist, glaub ich relativ neu, wobei ich das Gefühl habe, das es mit der Kindheit zusammenhängt, aber da habe ich keine Erinnerungen und bekomme auch kein Wissen. Es ist die deutlich schmerzhafteste Variante, finde ich. Auch hier hat man länger was von. was das Brennen für uns ist, muss ich noch genauer rausfinden. Aber es hat auch was mit bestrafen zu tun, mehr als die anderen Varianten – tiefgehender(?).
Am Dienstag hat das Verbrennen uns geholfen. Es war wirklich sowas wie ein innerlicher Frieden ein Weile dagewesen. Was mich irritiert, das es nicht so leicht ein Stopp gab. Wir verletzen uns eigentlich immer so, dass wir keine Ärztliche Hilfe brauchen. Weil Hilfe brauchen ja schwer/schlimm ist. Selbst beim Schneiden haben wir uns keine Hilfe geholt. Vielleicht wären die Narben dünner und so, hätten wir es getan, aber es ist alles auch so wieder zu gegangen. Dieses mal war es größer in der Folge. Es war schwerer aufzuhören und es sind andere Gedanken dabei. Das Bestrafen ganz klar. Diesem Körper zu geben was er verdient. Ein Genuss Innen, zu hören die Haut ist tot. Den Drang weiter zu machen, bis heute. Es ist irgendwie gefährlicher. Und viel wirksamer. ich muss gut hinhören, nach Innen, um auch die zu hören, denen es Angst macht. Mir klar machen das es auch im Außen welche gibt, denen es Angst machen kann. Ich muss mich anstrengen nicht nachzugeben und Vernünftig zu sein – weil es sich so wie ein Sog anfühlt weiter zu machen. Den Körper vernichten, den Schmerz zu spüren und ausgefüllt zu sein. Das kenne ich so nicht und ich weiß das da Sorge hingehört. Ich habe für eine Nachsorge gesorgt und Hilfe bekommen. Es wird ärztlich versorgt und ist wohl nicht so schlimm, wenn es sich nicht entzündet. Nicht schlimm genug, tönt es in mir. Ich will es überhören. Dieses sich Hilfe holen ist definitiv Grund genug nicht weiter zu machen grad. Selbstverletzung ist was, was bei uns eher nebenher lief und eher keine Beachtung fand. Gerade hat es sie – wie man auch in diesem Post liest. Weil es mich Erschreckt hat oder besser gesagt Innere erschreckt. Ich hab eher Angst Kontrolle zu verlieren.

So viel kann man dazu schreiben. Viel mehr als hier steht. Schmerz und Hilfe sind eng mit einander verknotet.

Kommentare:

  1. was soll ich sagen, ich habe Narben von Verbrennungen und schneiden, nun ich bin nicht stolz dadrauf sie zu sehen jeden Tag an mir, aber ich weis wie wichtig diese Phase war... es wurde anders, schämen, Lügen nach aussen bis es nicht mehr ging und Arzt und Helfer verarztet die Wunden und genauso die Seelenwunden. Auch brauchte es paar Jahre bis es vorbei war. Forums, Gleichgesinnte aber wir fühlten uns trotzdem alleine... real wars wichtiger jemand zu haben...
    Heute verurteilen wir alle niemand der es machte weil wir wissen warum es geschah!
    Bei uns war es die Täteranteile die das verkörperten für jeden Verrat...

    Ich kann Gefühlsmässig verstehen helfen schmerzt, weils was gutes und positives ist. Auch wir brauchten lange um das an zu sagen und wann es passiert sich zu verletzen. Nagelkauen das haben wir noch einige Zeit wars nicht da und dann bis wir umzogen sehr schlimm bis jetzt wieder fast weg.Schwankungen halt...

    Ich hoffe dass du anreden kannst bald und es nicht mehr als Geheimniss behälst das offenbaren ist wichtig um den anderen Inneren zu helfen die jetzt das noch nicht so sehen aber später auch ihnen helfen werden.

    Genug geschrieben... möchte dir und allen Mut zu reden, diesen Schritt zu wagen, wenns Zeit dafür ist.

    Lieben Gruss Lena


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    1. Danke das Du Eure Erfahrungen dazuschreibst und wieder Mut machst ♥

      Wir haben ja auch schon drüber geredet und denke es wird noch weitergehen. Wie vieles und alles und sowieso... und irgendwann wird es hoffentlich dann auch mal gut sein und wir können anderen schreiben und mut machen - das wäre schön!

      Seid alle ganz herzlich gegrüßt von uns

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  2. Ihr schreibt so offen darüber! wir denken, daß schreckt viele andere menschen, weil sies nich verstehen können ((aber wir wollten sagen uns schmerzt Hilfe viel mehr als dass Schmerzen helfen. aba drüber red man nich!))

    wir wünschen euch keine schmerzen nie nie wieder, für niemanden von euch!

    wir senden euch liebe und gute Grüße

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    1. Ja, das schreckt wahrscheinlich viele. Aber es ist Alltag von so vielen Menschen und die meisten schweigen. Auch wir schreiben nicht über alles... Einige, die dennoch lesen, beginnen vielleicht mehr zu verstehen - in irgendeiner Weise achtsamer zu sein im Leben - anderen Menschen gegenüber.

      Vielleicht gibt es sogar irgendwann ehrliche Fragen und Gedanken - gerade von Menschen, die in ihrem Alltag nicht bewusst mit Menschen zu tun haben, die mit Traumafolgen zu tun haben? Das wäre doch gut! :o)

      Ich weiß oft auch nicht warum wir so offen über uns schreiben... es fühlt sich richtig an. Wir haben 40 Jahre unauffällig gelebt. Dieser Blog ist ein weiterer Schritt in die Welt. Sich zeigen und versuchen ehrlich zu sein. Unsere Homepage war auch ein Schritt, der uns nicht mehr reicht. Irgendwann, wenn wir noch mehr in der Welt sind, dann möchte ich auf irgendeine Weise oder auf viele Weisen unser Erlebtes nutzen und nutzbar machen für andere. Das wäre sehr schön! Vielleicht wird man das dann hier auch lesen :o) Wäre wirklich Cool!

      Danke an euch und ihr habt es hier gesagt ein bisschen - man darf über alles reden, wenn man kann und will.

      Ganz herzliche Grüße senden wir euch

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  3. ich gehöre zu den Menschen, die sich schon manchmal schwer tun zu verstehen - aber deine Gedanken - deine Auseinandersetzung hilft mir, dass ich mich auch weiter öffnen kann. Selbstverletzung ist für mich schwer nachvollziehbar. Im Kopf kann ich es ein kleines bisschen verstehen - aber gefühlsmäßig tut es mir einfach weh. Ich umarme dich lieber ...

    herzliche Grüße von Heidi-Trollspecht

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    1. Ja, das ist ja auch sehr verständlich und gesund!

      Mir geht es ein bisschen so, wenn ich Selbstverletzung bei anderen mitbekomme. Zu wissen was dahintersteht hilft und trotzdem ist es schlimmschade, das es überhaupt sein muss.

      Danke für Dein Dich Öffnen ♥

      herzliche sternengrüße senden wir dir

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