Samstag, 19. Juli 2014

Einfach nur weiter

Es geht weiter.
Die Situation mit dem OEG (Opferentschädigungsgesetz) ist unverständlich. Wir werden weiter machen und auch in die nächste Instanz gehen. Wir brauchen das für uns - es macht weiter Hoffnung - auch. Aber eigentlich ist es auch eine Empörung, die uns weiter machen lässt. Ich meine, der Richter bestätigt uns, dass er uns glaubt, die Diagnose ist da und die Traumafolgen belegt. Eine DIS beinhaltet ja nun mal Dissoziation und Amnesie - so konnte überlebt werden. Mir ist klar, dass ein Gericht vielleicht nicht grundsätzlich von einer DIS auf Gewalterfahrung schließen kann - bei wenigen gibt es andere Ursachen. Aber bei uns liegen keine anderen Traumata (OP, Naturkatastrophe usw.) vor und der Richter glaubt uns. Für mich ist die "an Sicherheit grenzende Wahrscheinlichkeit" logisch - es ist mehr passiert, als ich Berichten kann und das was ich Berichten kann ist schlimm genug... eigentlich. Vor 2 Jahren gab es ein Urteil, wo von der DIS auf Gewalterfahrung geschlossen wurde. Dem gehen die Gerichte nicht nach - ganz einfach, weil es Geld kosten würde. Man muss sich vorstellen wie viele danach relativ leicht einen Anspruch geltend machen könnten. Es geht immer nur um das Geld. Nicht um Opferhilfe. Wir wollen solange weiter machen bis es nicht mehr geht. Vielleicht - wer weiß was in der Zeit noch geschieht im Opferentschädigungsrecht - oder welcher Richter doch anders entscheidet. Es ist schade, dass es so wenig Öffentlichkeit für sowas gibt. Ich weiß auch nicht wirklich wie ich das ändern könnte. So mache ich weiter. Einfach nur weiter.

Was in dieser Zeit sich für mich, für uns, als schwierigstes Problem zeigte, war das Unvermögen zu zeigen und mitzuteilen wie es uns aktuell geht, auch vor uns selber. Der Körper behält alles in sich - nicht mal weinen oder so war bisher möglich. Dafür wurde aus der Erkältung ein schlimmes Asthma, was wir grad mit viel Kortison behandeln müssen. Es brennt und wir sitzen da und versuchen das Feuer zu ignorieren - so bleibt es echte Glückssache, ob es uns verbrennt oder ob es irgendwie von selber wieder erstickt. Wir müssen lernen Bränden anders zu Begegnen! Uns zeigen und ausprobieren, wer wie beim Löschen helfen kann. Ich weiß nur nicht wie wir das machen können - wie wir das aushalten können. Das ist nach wie vor etwas, was uns immer wieder in die Todesnähe bringt, uns alleine macht. Diese totale Kontrolle - die Panik, die es zusätzlich macht, wenn die Augen auch nur feucht werden. Das ständige Gefühl zusammenzubrechen und es doch nie zu tun. Uns hat das sicher gerettet und vor einigen Erfahrungen bewahrt - aber heute bedroht es auch unser Leben.

Nicht selten dachte ich über einen Stationären Aufenthalt nach. Immer nicht lange, weil ich einfach nicht wüsste wohin. Ein sicherer Ort, wo Menschen sind, die einfach nur Achtsam sind und mit uns herausfinden mögen, was ist oder helfen könnte. Aber wenn ich an all das aus den Klinikzeiten denke, dann weiß ich schnell, das es so nicht sein würde. Eher würde es schlimmer als damals sein, weil wir nicht mehr soo dicht sind und nicht mehr alles mit uns machen lassen würden. Jedenfalls letztlich. Wir fühlen uns auch verletzlicher und so wäre es eine Katastrophe, in einer Situation, die Auslöst, dass man Hilfe braucht, in eine Situation zu gehen, die so Konfliktgeladen ist. Leider.

Kommentare:

  1. Ich empfinde mit euch, bin den Tränen nahe... Was ist dagegen ein Fußbruch ...

    Ich drück euch und sende einen Sonnenstrahl

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    1. Liebe Ina, ein Fußbruch ist eine Katastrophe und wir wüssten absolut nicht wie wir eine solche Zeit hinkriegen könnten. Du machst das so Prima und wir hoffen es wird gaaanz schnell wieder besser!!!

      Liebste Gänseblümchengrüße

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  2. Es ist traurig wenn ich mal wieder sehe wie schwer es ist das OEG durchzustzen. Dein/Euer Unvermögen, Dich/Euch ausreichent mitzuteilen, liegt nicht an Dir/Euch, sondern an dem was Dir/Euch mal eingeimpft (um es mal so auszudrücken) wurde. Von einem Stationären Aufenthalt halte ich auch nichts, jedoch mußt Du/Ihr das für Euch selber entscheiden.
    Egal was Du/Ihr unternehmt, ich wünsche Dir/Euch Glück, aber vor allem die nötige Kraft dazu.

    Viele Grüße
    Nachtfalke

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  3. weiter machen ja der Kampf ist da nicht klein bei geben... ich hoffe ihr findet den Weg für euch alle um was standhafter im realen Leben zu werden.
    was ist Moment richtig oder nicht .. wie kommt ihr aus diesem Loch heraus .. das ist was ihr euch erarbeiten müsst mit den Helfern um euch herum
    Wir wünschen euch viel Kraft aber auch viel Mut um einen kleinen Schritt ins Leben zurück zu finden um anzufangen wieder.. es gibt viel mehr noch wie nur nach dem was war das heut und jetzt wie ihr lebt und es euch besser geht und nicht noch schlechter!
    Lieben Gruss von uns allen

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    1. Wir arbeiten an unserem "Besser".
      Ganz viele liebe Grüße für euch

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  4. ich will dir - euch - ganz viele Energie-Sonnenstrahlen durch den Bildschirm schicken ... ich hoffe sie kommen an ...

    sei(d) ganz lieb umarmt von Heidi-Trollspecht

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    1. Sie haben uns in der Nase gekitzelt :o)

      Ganz herzliche Grüße von uns

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